Die Liechtenstein-Cloud


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Wie Computerwoche.de heute morgen berichtet hat, überlegt der IT-Bran­chen­verband Bitkom, eine so genannte "nationale Cloud" aufzubauen, um den Ängsten potenzieller Nutzer vor einem globalen Verschiebebahnhof für ihre Daten entgegenzutreten.  Natürlich äußern sich die hiesigen Hersteller allen voran T-Systems positiv zu der Idee. Die deutschen Töchter amerikanischer Unternehmen wie IBM, Microsoft oder HP sehen die Sache naturgemäß eher skeptisch.

Aber abgesehen von nationalen Interessen, erscheint die Idee einer nationalen Cloud dem Grundgedanken der Cloud absolut widersinnig. Es geht doch gerade um flexible Strukturen, um Virtualisierung und eine bessere Ausnutzung von Rechenzentren. Und die sind nun einmal weltweit miteinander vernetzt. Eine nationale Lösung würde bei weitem das Potenzial von Cloud-Strukturen nicht heben können. Wahrscheinlich schwant das sogar den Bitkom-Oberen, haben sie doch geflissentlich ihre Vorstellung einer Cloud nicht detailliert.

Aber vielleicht wäre es ein guter Gedanke, wenn jedes Land sich eine eigene Cloud zulegen würde. Sie würden sämtlich nationale Gesetze widerspiegeln und beim Auslandsbesuch müssten die Daten eine Genehmigung zur Ausreise vorlegen, einen Datenpass. Schwachsinnig? Kann schon sein. Aber trotz eines solchen Titanic-mäßigen Ansatzes werden sich deutche Politiker nicht entblöden dazu Stellung zu nehmen. Zensursula lässt grüßen.

Außerdem haben solche nationalen Wolken durchaus Potenzial, um die Unterschiede und Standortvorteile der einzelnen Länder herauszuarbeiten.  Überlegen Sie doch mal, was Liechtenstein in seiner eigenen Wolke anstellen könnte. Daten- statt Steuerhinteziehung, endlich ein Geschäftsmodell, das der digitalen Welt entspricht. Die deutsche Cloud wäre etwas für Sicherheitsvernatiker, die Lichtensteiner eine für Spekulanten, die amerikanische würde exzellente Verbindungen zu den Spionageeinrichtungen des Landes anbieten können. usw.

Das hat zwar nichts mehr mit der ursprünglichen Idee des Bitkom-Präsidenten August-Wilhelm Scheer zu tun, aber zumindest kommt sie ihr in ihrer Sinnfreiheit nahe.

 

1 Kommentar

Bild von Wolfgang Sommergut
Wolfgang Sommergut sagt:

Die Initiative greift ein berechtigtes Anliegen auf, weil auch beim Cloud-Computing die nationalen Gesetze nicht außer Kraft gesetzt sind. Viele Unternehmen wollen etwa wegen des Patriot Act sicher gehen, dass ihre Daten nicht in den USA gespeichert werden.

Aber angesichts dieser Unsicherheiten ist natürlich die Versuchung groß, dass die lokalen Player daraus Kapital schlagen wollen. Ich bezweifle aber, ob eine deutsche Cloud wirtschaftlich gegen die globalen Anbieter bestehen kann. Wer etwa Kunden über alle Zeitzonen hinweg bedient, erreicht etwa eine viele höhere und gleichmäßigere Auslastung seiner Rechenzentren als jemand, der nur national in einem relativ kleinen Land agiert.

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