Auf der einen Seite schlägt die Cloud-Euphorie hier auf der CeBIT hohe Wellen, auf der anderen Seite beschweren sich die Anbieter über die zögerlichen deutschen IT-Verantwortlichen. Das Wort vom Klassenletzten geht schon wieder um. Die jüngste Techconsult-Studie besagt zwar, dass 31 Prozent der deutschen Unternehmen Cloud positiv gegenüber stehen, aber den Gesprächen hier auf der Messe zufolge ist die Skepsis noch größer als die Zahlen vermuten lassen.
Jeder will mitspielen
Redet man mit Analysten, Beratern und Anbietern führt an Cloud kein Weg vorbei. Selten war die Einigkeit im Anbieter- und Analystenlager so groß. Selbst Softwarehäuser, die bisher eher im klassischen Lizenzverkauf unterwegs waren, schwenken langsam um und versuchen, Angebote aus dem Boden zu stampfen. Das sind nicht immer echte Cloud-Services, sondern manchmal etwas andere Outsourcing- oder Hosting-Offerten. In diesem Fall spielt das keine Rolle, es zeigt nur, dass jeder mitspielen will.
CIOs haben Angst
Wirklich jeder? Offenbar haben deutsche CIOs sehr große Vorbehalte. Sie tun sich als Skeptiker und Bedenkenträger hervor anstatt Pilotprojekte aufzusetzen, mit denen sie das Potenzial ausloten können. Stattdessen beschweren sich sich über mangelnde Security und Compliance, über fehlende Integration und über nicht ausreichend gute Services. Das alles ist nicht von der Hand zu weisen. Aber, warum machen die IT-Manager ihre Einkaufsmacht nicht geltend? Schließlich repräsentieren sie allein in Deutschland ein IT-Einkaufsvolumen von etlichen Milliarden Euro.
Wenn der CIO eines Großunternehmen einen Cloud-Anbieter nach mehr Sicherheit, nach besseren Service fragen würde, würde der Provider alles, aber wiklich alles tun, um dem Anforderungen eines solchen CIOs gerecht zu werden. Aber, offenbar fragt keiner. Zumindest sind keine Fälle bekannt, in denen sich ein Großunternehmen zu ihren Cloud-Plänen äußern.
Pessimisten verbessern die Welt nie
Es ist deshalb anzunehmen, dass es gar nicht um Sachfragen geht, sondern um Psychologie. Offenbar befürchten CIOs durch die Cloud Kontroll- und Machtverlust zu erleiden. Das ist in etwa vergleichbar mit den Argumenten, die Anfang der 90er Jahre gegen Outsourcing ins Feld geführt wurden. Zunächst wurde mit Totschlag-Argumenten gemauert ( zu teuer, zu schlecht, macht abhängig). Erst als sich das Thema ausdifferenzierte und Managed Services und andere kontrollierbare Outsourcing-Angebote auf den Markt kamen, begannen deutsche CIOs verstärkt zuzugreifen.
Anscheinend wiederholt sich das im Cloud-Bereich wieder. Auch hier warten deutsche CIOs eher ab, um nichts falsch zu machen. Die Frage ist nur, was sie mit dieser abwartenden Haltung gewinnen? Vielleicht katapultieren sie sich damit aus der Diskussion. Anbieter fangen nämlich jetzt schon an, mit den Business-Verantwortlichen direkt zu reden. Bei ihnen hoffen sie auf offenere Ohren zu stoßen als im IT-Bereich. Damit verliert die IT aber weiter an Einfluss. Sie wäre wieder Bremser, wieder der Bedenkenträger und wieder nicht der Innovator. Vielleicht ist das ein Grund für CIOs, ihre Haltung zu Cloud zu überdenken und sich aktiv damit auseinanderzusetzen.



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